Heilung meiner deutschen Seele

Kennt ihr das auch?

Die Geschichtsbücher, Filme, Nachrichten und Dokumentationen haben euch ein Bild über Deutschland zwischen 1914 und 1945 geliefert.

Obwohl ihr nicht in dieser Zeit gelebt habt, empfindet ihr Scham, Traurigkeit, Wut, Unverständnis, fühlt euch in manchen Situationen keinesfalls stolz, ein Deutscher zu sein.

Es fühlt sich wie ein dunkler Fleck auf eurer Seele an, der euch spaltet, abspaltet von einem Teil in euch.

Denn in unserem „Lebensrucksack“ sind sämtliche Traumata, Erlebnisse und Erlebnisse unserer Ahnen gespeichert.

Sie begleiten uns durch unser jetziges Leben, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Schauen wir allerdings immer voller Verachtung auf die geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit und lassen uns durch die Überlieferungen ein ganz bestimmtes Bild dieser Zeit in uns zeichnen, dann ist das etwa vergleichbar, als würden wir einen Körperteil oder ein Organ verachten bzw. missachten.

Etwas in uns wird abgespalten und getrennt.

Dadurch sind wir nicht ganz oder heil, was soviel bedeutet, dass es solange keine Heilung unserer Seele geben wird.

Mein ganzes Leben habe ich in einer solchen Art über unsere nahe deutsche Geschichte gedacht und geurteilt.

Zeitzeugen dieser Jahre waren meine Grosseltern und Schwiegereltern, und als Kleinkinder meine Eltern.

Niemals habe ich meinen Vorfahren und Verwandten zugetraut, dass sie beteiligt waren an den Gräueltaten, über die ich in Büchern und Filmen aufgeklärt worden war.

Nein, es waren immer diejenigen, die man persönlich nicht kannte, denen man all diese Schreckenstaten zutraute.

Andererseits bin ich in den sechziger Jahren in Ägypten gross geworden und durfte erleben, wie man dort über uns Deutsche dachte.

Aber auch in anderen Ländern dieser Erde urteilt man ganz anders über uns Deutsche, als wir es selber tun.

Dort steht unser Fleiss und Gewissenhaftigkeit, unser Erfindergeist und Tatkraft im Vordergrund.

Hält man einen deutschen Pass in den Händen hat man es an den meisten Grenzen dieser Erde sehr leicht, einzureisen.

Dennoch empfinden wir keinen Stolz, deutsch zu sein.

Das hat sich bei mir seit zwei Wochen verändert.

Ich bin mit meiner Familie zwei Wochen lang durch Namibia gereist.

Namibia war von 1884-1915 deutsche Kolonie und als Deutsch-Südwest-Afrika bekannt.

In den 30 Jahren Kolonialherrschaft führten die Deutschen einerseits Krieg mit den Hereros und Nama, was man heute noch in Okahandja auf dem Friedhof und am Waterberg vor Augen geführt bekommt.

Andererseits fällt einem überall die deutsche Vergangenheit ins Auge.

Neben typisch deutscher Kolonialarchitektur bezeugen Straßennamen, Geschäftsnamen, Ortsnamen, Kuchenspezialitäten

(Schwarzwälder Kirsch) aber auch die Vornamen der Namibier von diesen 30 Jahren deutscher Herrschaft.

Nicht dass ich stolz darauf bin, dass wir uns als Kolonialherren aufgeführt haben.

Ich habe mich allerdings gefragt, warum man nach so vielen Jahren, die Namen nicht ändert.

Nachdem die Deutschen 1915 die Kolonie verloren hatten wurde Namibia als Mandatsland des Völkerbundes unter südafrikanisches Mandat gestellt.

Bis 1989 blieben die südafrikanischen Streitmächte im Land und hatten in all den Jahren unter anderem die Apartheid nach Namibia gebracht.

Diesen 70 Jahren südafrikanischer Vorherrschaft, die sicherlich auch unschön war, stehen 30 Jahre deutsche Kolonialmacht gegenüber.

Ich frage mich, wie das Deutsche  immer noch  so präsent ist.

Wir trafen eine deutsch-stämmige Farmerin, die bereits in 5. Generation in Namibia lebt.

Sie sprach ein glasklares Deutsch und erklärte uns, dass die deutschen Schulen und Internate im Land ein sehr hohes Ansehen hätten.

Das kenne ich persönlich auch aus Kairo.

Dort besuchte ich noch die erste Klasse der Deutsche Evangelischen Oberschule, die nicht nur unter Deutschen, sondern ganz besonders im Bildungsbürgertum der Ägypter sehr beliebt ist.

Auch Theodor, ein dunkelhäutiger Exkursionsleiter, beeindruckte mich mit seinem sehr guten Deutsch.

Er hatte es sich selber beigebracht, als er in seiner Jugend bei einer deutschen Familie Baby sittete.

Seit langem verspürte ich wieder das Gefühl, nicht verbergen zu müssen, dass ich Deutsche bin.

In meiner Jugend wurde mir immer wieder erzählt, dass die Franzosen, die Schweizer und die Holländer uns Deutsche nicht mögen würden.

Persönlich habe ich das nie erlebt, wenn ich in Frankreich, der Schweiz oder in Holland unterwegs war.

Dennoch haben diese “ Programmierungen“ einen negativen Beigeschmack hinterlassen.

Ich redete in diesen Ländern lieber Englisch als Deutsch.

Ganz instinktiv; irgendwie dachte ich wohl, man würde mich dann nicht als Deutsch identifizieren.

Abgesehen davon, dass ich mich eigentlich nie wirklich als Deutsche gefühlt hatte.

Obwohl meine Eltern Deutsche sind, hat meine Kindheit in Ägypten dafür gesorgt, dass ich mich nie wirklich in Deutschland heimisch gefühlt habe.

Dennoch habe ich in meinem „Lebensrucksack“ das deutsche Trauma…den 1. und den 2. Weltkrieg.

Namibia ist wohl das einzige afrikanische Land, dass ich kennengelernt habe, in dem es sehr sauber und gepflegt ist.

Keine Müllhalden säumen die Straßenränder, überall findet man im öffentlichen Raum Abfalleimer.

Als ich die Managerin unserer Lodge darauf ansprach sagte sie: “ I must admit, this is  the german influence!“

Das hat sie als Südafrikanerin, die mit einem Namibier verheiratet ist, voller Stolz gesagt.

Mein Unterbewusstsein begann ein altes Programm zu überschreiben.

Ich muss mich nicht für uns und unsere Geschichte schuldig fühlen und klein machen.

In 30 Jahren in Südwest-Afrika haben die Deutschen ihre Spuren hinterlassen.

Natürlich auch blutige Spuren, wie man an einigen Denkmalen erkennen kann.

Aber auch positive Spuren; sie haben Strassen und die Eisenbahn gebaut und eine Infrastruktur aufgebaut, die heute noch genau so genutzt wird.

Sie haben Traditionen und ihre Kultur mitgebracht, an denen viele Menschen in Namibia festhalten, obwohl sie es längst nicht mehr müssen.

Eine dieser Traditionen ist es, Schwarzwälder Kirsch-Torte zu essen.

In jedem noch so kleinen Cafe steht sie in der Auslage.

Sie ist fast schon ein Symbol dafür, dass in diesem Land schwarz und weiss nebeneinander existieren kann.

Die Kirschen könnten natürlich das Blut symbolisieren, das vergossen wurde, aber es kann auch das Herzblut sein, welches man in diesem Land verspürt.

Ich für meinen Teil bin aus Namibia zurück gekehrt und bin dankbar für diese Erfahrung.

Ich, die weder im ersten noch im zweiten Weltkrieg auf der Welt war, und mich keinesfalls für irgendeine der geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit verantwortlich fühlen müsste, habe erstmals das Gefühl gehabt, meine deutsche Seele nicht verheimlichen zu müssen.

Danke für diese heilsame Erfahrung!

Wie ist es euch bisher ergangen?

Ich bin neugierig auf eure Kommentare und Empfindungen.

Von Herzen

Karin

 

 

 

 

Herzlichst

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