Was ist zahngesunde Ernährung aus holistischer Sicht?

Diese Frage stellen sich viele Menschen, sobald sie an Karies oder Parodontitis erkranken. Die Antworten können jedoch sehr stark differieren, je nachdem, wen man fragt. In diesem Artikel möchte ich meine Perspektive als holistische Zahnärztin beschreiben.

Jeder weiss, dass die Ernährung sehr wichtig ist, um die Gesundheit zu unterstützen. Analog dazu verhält es sich mit der Zahngesundheit. Nur, wenn wir unserem Körper alle wichtigen Nährstoffe zuführen, dann kann er funktionieren, regenerieren und heilen. Unser Körper hat alle Möglichkeiten in sich, denn er kann alte und kranke Zellen ersetzen. Das macht er täglich ganz alleine, ohne dass wir uns darüber bewusst sind. Wir haben wunderbare Nährstoff-Lösungen in unserem Körper, welche die Nährstoffe von einem Ort zum anderen transportieren. Eine sehr bekannte Lösung ist das Blut. Was in Bezug auf die Zahngesundheit jedoch noch viel wichtiger ist, ist eine weitere Nährstoff-Lösung, nämlich der Speichel. Dieser erfährt meist wenig Beachtung. Aber in ihm liegt ein weiterer und sehr entscheidender Schlüssel zur Zahngesundheit. Nur wenn er die Mineralien enthält, die zur Remineralisation wichtig sind (Kalzium und Phosphat), können entmineralisierte Zahnoberflächen (Beginn der Karies) wieder repariert werden. Dazu muss der Speichel aber auch einen basischen pH-Wert (zwischen 7 und 7,4) aufweisen. Durch unsere heutige Ernährung, aber auch manche zahnärztliche Materialien, liegt er oftmals im leicht sauren Bereich. Unsere modernen Lebensmittel sind meist sehr stark industriell verarbeitet und entsprechen vielfach nicht mehr dem „Urprodukt“, wie es noch unsere Vorfahren kannten. Genetische Veränderungen machen beispielsweise aus einem Apfel ein Lebensmittel mit bis zu 30% mehr Fructose als früher üblich. Gemüsesorten werden dahingehend genetisch verändert, dass die Bitterstoffe reduziert werden, um von einer breiteren Masse Konsumenten akzeptiert zu werden. Milch und viele andere frische Lebensmittel werden pasteurisiert und homogenisiert, was ihnen wichtige Enzyme und die Verdauung unterstützende Bakterien, entzieht. Fleisch und weitere tierische Produkte werden mit Antibiotika und Medikamenten behandelt, die sich im „Lebensmittel“ befinden und somit vom Menschen aufgenommen werden. Es ist unabhängig ob wir tierische oder pflanzliche Produkte betrachten, die industrielle Verarbeitung und Produktion unserer Nahrungsmittel hat einen großen Einfluß auf deren Wirkung im menschlichen Körper. Denn dieser benötigt die „ursprünglichen“ Lebensmittel in natürlicher Variante. Denn nur so erkennt er diese und kann sie entsprechend verarbeiten beziehungsweise deren Inhaltsstoffe nutzen. Abgesehen davon gibt es aus meiner Erfahrung einige wichtige Aspekte für eine zahngesunde Ernährung. Nicht nur der Verzicht auf Zucker, wie es meist empfohlen wird, sondern der Nährstoffreichtum ist von Wichtigkeit. 

Die richtige Nahrungswahl ist aus folgenden Gründen wichtig für die Zahngesundheit:

1. Die Ernährung liefert die Nährstoffe, die für ein gesundes Immunsystem wichtig sind. Somit hat sie großen Einfluss auf die Entstehung von Karies und Parodontitis.

2. Die Ernährung entscheidet darüber, welche Bakterienflora sich in unserem Darm ansiedelt, was wiederum einen Einfluss auf unser Immunsystem, aber auch auf die Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung hat.

3. Die Ernährung entscheidet über den Säure-Basen-Haushalt unseres Körpers und somit über den Mineraliengehalt unserer Knochen und Zähne.

4. Die Ernährung entscheidet über den pH-Wert und die Zusammensetzung unseres Speichels, was direkten Einfluss auf die Kariesentstehung hat.

5. Die Ernährung entscheidet über die Anzahl an pathogenen (krankmachenden) Bakterien in unserer Mundhöhle. Je mehr Kariesbakterien ansässig sind, desto höher ist das Kariesrisiko.

Welche Nährstoffe braucht der Körper, um gesunde Zähne  zu haben?

Im Jahre 1936 veröffentlichte der Forschungsdirektor der American Dental Association, Dr. Weston Price, einen Artikel im Fachblatt dieser Vereinigung, der Aufsehen erregte. Er schrieb über seine Untersuchungsergebnisse an Urvölkern auf der ganzen Welt, die nie Zahnbürsten benutzten und immun gegen Karies waren. Er hatte Menschen unterschiedlichster Kulturen rund um den Globus besucht und deren Zähne und Kiefer gründlich untersucht. Daneben interessierte er sich für deren Lebensweise und Ernährung. Die Ergebnisse dokumentierte er mittels Abdrucknahme, Vermessungen, Aufzeichnungen und Fotos und veröffentlichte sie später in dem Buch Nutrition and Physical Degeneration. Eine Gemeinsamkeit hatten alle untersuchten Ur-Kulturen: die Ernährung! Und zwar nicht im Sinne von gleichen Mahlzeiten und Rezepten, da das lokale Angebot an Nahrungsmitteln sehr unterschiedlich war, sondern in der Form der darin enthaltenen Nährstoffe und der Art der Lebensmittel. Wollte man es mit einem knappen Satz benennen, dann würde ich sagen: Ursprünglich und mit einem hohen Maß an fettlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen. Genau das fehlt der modernen, industriell verarbeiteten und haltbar gemachten Nahrung. Um Fett macht man einen großen Bogen, da es angeblich Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht, dabei wurde dieser Zusammenhang bereits widerlegt und der wahre Verursacher, der Zucker, identifiziert. Aber in den Köpfen spukt nach wie vor der Geist vom Fett, das krank und dick macht. Dabei sind die fettlöslichen Vitamine E, D, K und A, die in Fett vorkommen, so wichtig für unseren Körper, da sie als aktivierende Substanzen agieren, damit die Mineralstoffe aus der Nahrung verwertet werden können. Dr. Price fand heraus, dass ein durchschnittlicher Erwachsener täglich folgende Mengen an den genannten Vitaminen und Mineralien konsumieren sollte, um gesund zu bleiben:

1. 1,5 g Kalzium

2. 2 g Phosphat

3. 4000–20000 IE Vitamin A

4. 1000–4000 IE Vitamin D

Für die Zahngesundheit sind aber auch Magnesium, Mangan, Eisen, Kupfer, Chrom, Vitamin C, B12 und Folsäure essentiell wichtig. Die Studien von Weston Price wurden später durch den Zahnarzt Melvin Page weitergeführt, der Blutproben von Patienten analysierte. Er fand heraus, dass Karies dann entstand, wenn eine Störung des Kalzium-Phosphat-Verhältnisses vorlag. Nur wenn das Verhältnis von Phosphat zu Kalzium bei 1:2,5 liegt, bleiben Zähne und Zahnfleisch gesund. Verändert es sich, dann werden die Mineralien aus den Zähnen mobilisiert. Dr. Page fand auch heraus, dass sieben Monate eines erniedrigten Phosphat-Spiegels ausreichen, um das Zahnbein auszudünnen. Dres. Steinman und Leonora fanden heraus, dass die Umkehr des Dentin Fluid Flows, der die interne Zerstörung des Zahnes initiiert, immer mit einem Mangel an Magnesium, Eisen, Kupfer und Mangan einhergeht. Interessanterweise blockiert Phytinsäure, ein Antinährstoff in nicht eingeweichtem oder gekeimtem Getreide, die Aufnahme dieser Mineralstoffe im Darm.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der menschliche Körper zur Sicherstellung von Zahn- und Zahnfleischgesundheit folgende Nährstoffe benötigt:

• fettlösliche Vitamine E, D, K, A

• Vitamin C, B12, Folsäure

• Mineralstoffe Eisen, Magnesium, Kupfer, Mangan, Kalzium, Zink, Phosphor

Selbstverständlich ist die Zuckerreduktion ein wichtiger Aspekt der Zahngesundheit. Allerdings läßt sich dieser Vorsatz meist nicht leicht umsetzen. Bedenkt man, dass in sämtlichen industriell hergestellten Lebensmitteln, egal ob tierischen, pflanzlichen oder biologischen Ursprungs, herzhaft oder süß, überall Zucker enthalten ist, wird bewusst, wie sehr unsere Körper über die Jahre an Zucker gewöhnt wurden. Die Industrie ist sehr einfallsreich, wenn es darum geht, das Wort Zucker zu „maskieren“ und auf den Verpackungen zu deklarieren. In meinem neuesten Buch „Naschen erlaubt“ habe ich eine Liste von 30 „Zuckernamen“ veröffentlicht, die es dem Verbraucher leichter machen soll, den Zucker im Produkt zu identifizieren. Dennoch bleibt der Fakt, dass in industriell verarbeiteten Lebensmitteln Zucker enthalten ist. Aus meiner Erfahrung als Zahnärztin und Mutter führt der Weg nur über das vermehrte SELSBT ZUBEREITEN, um die Kontrolle über die Inhaltsstoffe zu behalten. Dabei können zahngesunde Zuckeralternativen zum Einsatz kommen, die durchaus das Kariesbakterien-Wachstum in der Mundhöhle stoppen. Zum Beispiel Xylit. Dieser auch als Birkenzucker bekannte natürliche Zuckerersatzstoff ist ebenfalls Bestandteil der von mir entwickelten Zahnpulver und Zahn-Kristalle (Bonbons).

Viele Menschen sind  abgeschreckt vom SELBST ZUBEREITEN, da ein enormer Mehraufwand befürchtet wird. Als vierfache, berufstätige Mutter war es für mich eine wichtige Grundvoraussetzung, schnelle und gesunde Mahlzeiten für meine Familie zu „zaubern“. Diese sehr einfachen und schnell zuzubereitenden Rezept-Ideen habe ich in meinem neuen Buch verarbeitet, um jedermann den Weg zu einer zuckerfreien, nährstoffreichen und zahngesunden Ernährung zu erleichtern

Ich freue mich über jeden, der beginnt, frische und ursprüngliche Lebensmittel in den Alltag zu integrieren, statt fertiger und verarbeiteter Nahrungsmittel aus dem Supermarkt. Denn nur so gelingt es langfristig der „Zuckerfalle“ zu entkommen und dem Körper den „Treibstoff“ zu liefern, den er benötigt.

Herzlichst

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